Was kommt nach dem Sommerloch?
Die Amerikaner nennen es 
lazy afternoon, wir in Deutschland Sommer-loch: An den Aktien-börsen sind die Umsätze schwach. Im Moment scheinen die Fußball-WM und der Beginn der Sommerferien willkommene Ablenkungen zu sein. Grundsätzlich scheinen die Anleger aber auch so etwas wie ein Gleichgewicht zwischen den Negativargumenten der Schuldenkrise und den Konjunkturängsten einerseits und der anhaltend soliden Liquiditätsausstattung der Märkte andererseits zu erkennen, sozusagen eine stabile Seitenlage. D.h. für Ausbrüche aus einer breiten Seitwärtsbewegung beim DAX zwischen etwa 5650 und 6300 Punkten fehlen offenbar die neuen klaren Anlagethemen. Da bleibt man über Sommer lieber an den Seitenlinien stehen.
Was sagt der Börsen-TÜV?
Das gibt genügend Zeit, die Kapitalmärkte einer intensiven Begutachtung, einem Börsen-TÜV, zu unterziehen und darauf basierend Einschätzungen zu treffen. Sicherlich bleibt die unsichere Großwetterlage ein Handicap für Aktien und ein eher positiver Nährboden für Staatsanleihen.
Grundsätzlich zeigen sich aber gerade deutsche Aktien im europäischen Vergleich in guter Form. Unsere vergleichsweise stabilen Rahmendaten und breite industrielle Infrastruktur, die eben nicht auf risikoreiche Monokulturen wie z.B. die Finanzindustrie setzt, schaffen ein attraktives Umfeld für deutsche Aktien. Im Vergleich deutscher zu Unternehmens-gewinnen aus Euroland wird dies deutlich unterstrichen. Nach einem durch die Finanzkrise bedingten Einbruch zeigen deutsche Aktien klare relative Stärke.
Neben der Gewinnsituation ist auch der Blick auf die Aktienbewertung absolut entspannend. Weder auf der Ebene einer Ertragsbewertung gemäß Kurs-Gewinn-Verhältnis noch unter dem Blickwinkel der Substanzbetrachtung sind Aktien zu teuer, im Gegenteil. Deutsche Aktien verfügen damit über einen Bewertungspuffer, der eine Grundabsicherung der Aktienkurse auch bei schwierigerem Börsenfahrwasser erlaubt.
Das Ende der Ära des Defensivfußballs der Rentenmärkte
Geht man noch einen Schritt weiter und vergleicht Aktien mit der größten Alternativanlageklasse Staatsanleihen, verstärkt sich der Eindruck einer günstigen Aktienbewertung auch relativ. Denn die Gewinnrendite deutscher Aktien liegt mittlerweile wieder deutlich oberhalb der Rendite von Staatsanleihen, auch gerade gegenüber dem mehrjährigen Durchschnitt. Oder anders ausgedrückt: Aktien sind günstiger. Damit ist die Anlage Staatsanleihe übrigens auch wegen der erhöhten Bonitätsrisiken aus dem europäischen Haftungsverbund zunehmend ausgereizt.
Gemeinsam mit dem starken Basisargument der geldpolitischen Unterstützung muss man damit insgesamt vor Aktien im zweiten Halbjahr grundsätzlich keine Angst haben. Bis zum Jahresende bleiben DAX-Stände von deutlich über 6500 Punkten - auch unter Schwankungen - das Ziel. Hinter dem Sommerloch geht es weiter.
Klassische Verlaufsmuster bei der Aktienauswahl verlieren an Bedeutung
Da die einfachen Kursgewinne im letzten Jahr gemacht wurden, ist die Aktienauswahl zukünftig aufwendiger. Selbst die klassische Grundsatzentscheidung für zyklische, also konjunktursensitive oder defensive Titel kann nicht mehr strikt nach dem Motto schwarz oder weiß getroffen werden. Historisch zeigt sich zwar am Beispiel der USA, dass bis zu einer Gipfelbildung von Frühindikatoren zyklische Aktien aus konjunktureller Vorfreude defensive outperformen und anschließend bei Abflachung des Aufwärtstrends die defensiven Werte die Oberhand gewinnen.
Dieses klassische Verlaufsmuster bekommt jedoch Risse. Zukünftig werden die Grautöne überwiegen. Denn auch klassisch konjunktursensible Werte zeigen heute Defensivqualitäten, indem sie ihre internationalen Markt-positionen und Liquiditätszuflüsse stabilisieren. Umgekehrt müssen früher reinrassige Aktien aus Defensivbranchen heutzutage Belastungsfaktoren hinnehmen. So leiden Versorger unter Energiesonderabgaben oder Pharmawerte unter mittlerweile chronisch kranken staatlichen Gesundheitswesen.
Ein einfacher Grundsatz: Auf Substanz und Qualität setzen
Also kommt es zukünftig deutlich stärker auf saubere Analyse an. Ein einfacher Grundsatz ist auf substanzstarke Qualität zu setzen. Unabhängig von der Branchenzugehörigkeit sind dabei fünf Kriterien entscheidend: Eine hohe Preissetzungsmacht, Kostenführerschaft, bedeutende Engagements in den Schwellenländern, Dividendenstärke und eine günstige Bewertung.