Und sie bewegt sich doch…
Wer hätte das vom grund-
sätzlich wenig aktien-freundlichen September gedacht. Selbst gegenüber dem zuletzt haussierenden Rentenmarkt zeigen deutsche Aktien relative Stärke.
Man mag jetzt einwenden, dass ein paar Tage Outperformance von Aktien kaum Anlass bieten, erwähnt zu werden. Aber dennoch, wenn man durch einen ernüchternden August gegangen ist, und fast überall, wo man hin kommt, das hohe Lied der Sicherheit des Rentenmarkts hört, tut eine Gegenbewegung am Aktienmarkt der Anlegerseele richtig gut.
Keine Insel der Glückseligkeit
Das heißt nicht, dass wir jetzt auf der Insel der Glückseligkeit leben. Die Risiken aus der stotternden Konjunktur und der Verschuldung - gerade auch in Euroland - sind alle noch präsent. Und auch die Banken, die nach der Freude über den positiv ausgefallenen Stresstest im Juli zunächst nicht mehr in der Schusslinie standen, sind wieder in den Anlegerfokus geraten. Da ist zunächst die deutliche Kritik, dass beim Stresstest nicht die kompletten Bestände an Staatsanleihen - gerade auch aus Problemländern - ausgewiesen wurden und die Banken damit größere Risiken als bisher gedacht tragen müssen. Und auch die potenziellen Eigenkapitalanforderungen aus Basel III bedeuteten bei strikter Umsetzung eine markante Zäsur. Danach dürfte „Unterkapitalisierung“ für die Banken das Unwort des Jahres 2010 werden. Es drohen Kapitalmaß-nahmen und Dividendenreduzierungen auch bei deutschen Adressen. Bei der Deutschen Bank ist beispielsweise eine sehr große Kapitalerhöhung im Gespräch.
Don’t play poker against Trichet
Es ist wichtig, dass neue Kapitalvorschriften mit langen Übergangsfristen eingeführt werden. Weitreichende Regulierungen in einer nach wie vor angeschlagenen Bankenlandschaft zu schnell umzusetzen, schafft eher Unsicherheit als dass es zur gewünschten Stabilität beiträgt. Und schließlich verringert es auch noch die Bereitschaft zur Kreditvergabe.
Der Geldpolitik kommt in diesem Szenario die wichtige Rolle zu, über eine freizügige Geldpolitik für Entspannung zu sorgen. Einer mangelnden Kreditversorgung mit Restriktionen für die reale Wirtschaft und damit erneuten Marktrisiken wird man entgegen treten. „Don’t fight the Fed“ sagt man in den USA. In Euroland könnte man sagen „Don’t play poker against Trichet“.
Ein guter Indikator für Marktrisiko ist z.B. der Risikoaufschlag von 5-Jahres-Unternehmens- zu Staatsanleihen. Dieser hat historisch einen guten Gleichlauf mit der Entwicklung des DAX. Da die Notenbanken eher einem liberalen Pragmatismus als einer konservativen Prinzipientreue folgen (müssen), werden sie die Renaissance von Risiko an den Märkten begrenzen. Das spricht für die Risikoanlageklasse Aktien.
Auf der Stimmungsebene ist auch ermunternd, dass sich der Anteil der Pessimisten am Aktienmarkt - wie z.B. in den USA - wieder reduziert hat. Der Blick auf die nächste Börsenwoche In der nächsten Börsenwoche werden in den USA vor allem die Einzelhandelsumsätze, die Erstanträge auf Arbeitslosenzahlen, das Verbrauchervertrauen der Universität von Michigan sowie die Industrieproduktion und der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia von den Anlegern beachtet werden. Die Indikatoren werden zwar weiter das Bild einer schwach wachsenden US-Konjunktur zeigen. Aber für Rezession geben sie keinen Anlass geben. Der ZEW-Konjunkturausblick für Deutschland dürfte nachgeben. Die Konjunkturängste um die USA und damit die Exportbefindlichkeiten spielen hier eine große Rolle. Da aber die aktuelle Lage von den befragten Analysten sehr positiv eingeschätzt wird, sollte diese Korrektur im Ausblick nicht zu sehr überraschen und enttäuschen.
Insgesamt werden in der nächsten Woche die Konjunktur- und Schuldenprobleme erneut den Argumenten einer freizügigen Geldpolitik und hohen Dividendenrenditen gegenüberstehen. Das spricht für die Fortsetzung des breiten Seitwärtstrends am Aktienmarkt.